13.10.2020

Ende des 18. Jahrhunderts klagten die Grafenwöhrer Bürger über die ausufernde Korruption der Stadtväter. Nachlässiger Umgang mit städtischen Finanzen und Gütern wurde dem Rat und dem Bürgermeister in großem Ausmaß vorgeworfen. Ein weiteres Problem war der Mangel an kompetentem Personal für die Stadtverwaltung.

So wundert es nicht, dass es nach den Ratswahlen 1780 zu Tumulten in der Bürgerschaft kam. Der Wahlleiter, der Amtsrichter, war in seiner Amtsstube vor den Zudringlichkeiten und Grobheiten einiger Bürger nicht mehr sicher. Bei der nächsten Wahl waren nach einigen Todesfällen nur mehr Schludriane übrig. Der eine Bürgermeister ein Schuldenmacher, der andere ein Eigennutz und oft wegen privater Geschäfte abwesend. Der Vorwurf wurde laut, dass man Gemeindegründe ohne Zustimmung der Bürgerschaft verkauft habe und noch dazu etliche ohne Kaufbrief, Geldflüsse seien nicht nachzuvollziehen.

Das Maß war voll nach einer Brandschatzung durch französische Truppen im Jahre 1796. Unter der Androhung alles anzuzünden, pressten die Soldaten der Stadt 1.129 Gulden ab. Die Stadt holte sich das Geld von wohlhabenden Bürgern und gab ihnen dafür den Amberger und den Neuen Weiher. Ohne Zustimmung der Bürgerschaft hätten diese niemals veräußert werden dürfen. Die Gemüter brodelten. Gemäß der französischen Revolution 1789 brandeten auch in Grafenwöhr Ideen auf, sich von der korrupten Obrigkeit endgültig zu befreien. Die Grafenwöhrer übten sich in Ungehorsam und stachelten die braven Bürger gegen den Magistrat auf. Üble Schmähungen wurden verlautbart und selbst eine eindringliche Predigt des Pfarrers konnte dem nichts mehr entgegen setzen. Nicht zuletzt widersetzten sich die Grafenwöhrer in der Nacht, den Zapfenstreich einzuhalten sowie ihren Diensten nachzukommen, „sie bleiben sitzen und trinken fort, sie wollen kein Scharwerk mehr verrichten und gedenken frey nach ihrer Willkür zu leben.“ Ja, wo kommen wir denn da hin, wenn jeder macht was er will?  Der Magistrat befürchtet in einem Schreiben, dass wohl über kurz oder lang das Faustrecht in Grafenwöhr Einzug hielte, ob der „halsstarrigen Bürger“.

 

Die wirtschaftliche Lage der Stadt und die Moral der Bürger und der Stadträte waren so auf dem Tiefpunkt, dass die Regierung in Amberg erwog, der Stadt Grafenwöhr ihre Stadtrechte zu entziehen und zur Gemeinde zu degradieren. Auf jeden Fall sollte eine Untersuchungskommission die Missstände erforschen und ein Direktionsrat wurde zur Aufklärung der Sachverhalte ausgesandt. Dieser räumte in Grafenwöhr mit den Missetätern auf und führte die Stadträte auf den Pfad der Tugend zurück. Die „Causa Grafenwöhr“ gelangte sogar bis nach München zu Kurfürst Max Joseph in Bayern. Er ermahnte in einer ausführlichen Stellungnahme den Grafenwöhrer Magistrat zu Gewissenhaftigkeit in der Ausübung ihrer Ämter und die Bürger zu mehr Achtung ihrer Obrigkeit und Unterlassung von Zänkereien.
Gott sei Dank lenkte die Regierungsbehörde ein und entzog Grafenwöhr nicht die Stadtrechte und so konnte die Stadt vor rund zehn Jahren 650 Jahre Stadterhebung feiern.

 Stadterhebungsurkunde

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