12.04.2021

Das letzte noch vollständig erhaltene Kulturdenkmal auf dem Truppenübungsplatz Grafenwöhr ist eine schlichte Kapelle, deren Standort zwischen Grafenwöhr und Vilseck liegt, in der Nähe des ehemaligen Erzhäusels am Schwarzen Berg. Die „Wolfschützenkapelle“ entstand durch ein Ereignis, dass sich in der Mitte des 17. Jahrhunderts zugetragen haben soll, historisch aber nicht belegt ist. Zu dieser Zeit zogen große Wolfsrudel durch die Gegend. Eines Tages war ein Jäger zur Wolfsjagd unterwegs und schoss auf einen Isegrim, brachte diesen aber nicht zur Strecke. Bei der Suche nach dem verletzten Tier fiel der Wolf den Jäger plötzlich an. In seiner Not rief er die Hl. Dreifaltigkeit und die Mutter Gottes an. Der Sohn, der bereits auf der Suche nach dem Vater war, fand ihn in dem Augenblick, als der Wolf ihn zu Boden warf und zerfleischen wollte. Durch einen gezielten Schuss tötete er den Wolf und konnte somit das Leben seines Vaters retten. Zum Dank ließ der Jäger an dieser Stelle eine Kapelle erbauen. Galt der Wolf Anfang des 20. Jahrhunderts als ausgerottet, ist er heute wieder im Kommen.

    

Wolfschützenkapelle 1980

Wallfahrt im Sperrgebiet

Am Dreifaltigkeitssonntag, eine Woche nach Pfingsten, findet jedes Jahr in Erinnerung an die Rettung des Jägers eine Wallfahrt der Pfarrei Vilseck zur Wolfschützenkapelle im Übungsgelände satt. Der militärische Betrieb ruht an diesem Tag, denn die einzige Wallfahrt in Bayern, die in einem Sperrgebiet verläuft, führt die Pilger über eine Panzerstraße. Eine Allee aus 100 Linden, die zum 100. Jubiläum des Bundesforstes gepflanzt wurde, säumt das letzte Stück des Weges.

Rettung vor dem Verfall

Der Bundesforst rettete 1967 die Kapelle vor dem Verfall. Gerald Morgenstern schreibt in seinem Buch „Truppenübungsplatz Grafenwöhr“, dass die Waldarbeiter diese nach alten Unterlagen restaurierten. Das Gnadenbild mit der schaurigen Szene aus der Wolfsschützensage wurde neu gemalt und ziert den Innenraum. Am 25. Mai 1968 weihte man die Kapelle nach der Renovierung feierlich ein.

                                 

In Gottes Hand

Eckehart Griesbach fand für seine Erzählung zur Wolfschützenkapelle einen passenden Schluss: „Die Kapelle soll die Soldaten, woher sie auch kommen mögen, daran erinnern, dass über der weltlichen Macht eine göttliche waltet und den Jäger mahnt sie, dass das Glück der Jagd auch in Gottes Hand liegt.“

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