16.02.2021

Helau, so schallt es in der fünften Jahreszeit nicht nur durch Grafenwöhr. Wie die Grafenwöhrer in den letzten hundert Jahren Fasching feierten zeigt ein Grafenwöhrer G’schichterl des Kultur- und Militärmuseums. Eines ist gewiss, gefeiert wurde immer mit den Soldaten des Truppenübungsplatzes, egal ob königlich-bayerischen oder amerikanischen.
Oberlehrer Schenkl, der Anfang des 20. Jahrhunderts eine Stadtchronik schrieb, berichtet über den Brauch, dass die Fastnacht - die Bezeichnung, die damals üblich war - drei Tage des tüchtigen Essens waren. Schließlich stand die Fastenzeit bevor, die früher streng eingehalten wurde. Ein Abendessen musste demnach wie ein ordentliches Mittagessen sein, Aufgewärmtes oder Restmahlzeiten gehörten nicht dazu. Es gab mindestens zweierlei Fleisch, Schweinebraten mit Knödeln und Rindfleisch mit Leberknödeln und Kren. Die Kücheln (Köichln) gehörten selbstverständlich zum Festtagskaffee. Am Rosenmontag fand in Grafenwöhr ehedem der „Altherrenball“ statt; das war das Tanzvergnügen der ehrsamen Bürger. Am Faschingsdienstagnachmittag ging der Hausvater mit Frau und Kindern ins Wirtshaus zum Brezelessen. Beim öffentlichen Fastnachtstanz konnte sich jeder Mann oder Bursche oder eine Gruppe von Teilnehmern die „Drei“ aufspielen lassen und gegen entsprechende Bezahlung an die Musikkapelle für sich drei Sondertänze, einen Walzer, einen Schottischen und einen Dreher (oder eine Polka) ausbedingen.
Am Aschermittwoch war der Fasching zu Ende. Neben dem heute noch üblichen „Einäschern“ in der Kirche beendeten die Grafenwöhrer Burschen die Faschingsfreuden mit dem Geldbeutelwaschen an den öffentlichen Brunnen der Stadt. Nach altem Glauben sollte diese Tätigkeit auch für die kommende Zeit glückbringend sein.

           

 

  

In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts gehörten viele Faschingsfeiern zum gesellschaftlichen Leben in Grafenwöhr. Es gab zahlreiche Wirtshäuser und Vereine und entsprechend viele Veranstaltungen vom Faschingszug über Bälle, Theatervorführungen, Konzerte, etc., die laut Zeitungsberichten im Eschenbacher Amtsblatt alle sehr gut besucht waren. Der Burschenverein/Gesellenverein Grafenwöhr veranstaltete am Faschingsdienstag 1908 einen Maskenzug unter Benutzung der Theatergarderobe. Mit 18 Mann und drei Pferden wurde die Sage von dem im Annaberg vergrabenen Goldenen Sarg nachgestellt und behauptet, dass der Schatz gehoben worden sei.


Bei der großen Konkurrenz an Faschingsfeiern durfte man am Programm nicht sparen. Die Artilleristen-Vereinigung Grafenwöhr lud deshalb am 7. Februar 1925 in den Spechtsaal am Marktplatz ein und bewarb die Faschingsunterhaltung als „Jahrmarkt in Hinterholzhausen“ unter Mitwirkung einer original Dachauer Bauernkapelle. Zudem hatte eine weltbekannte Zirkusgruppe mit Menagerie, Schaubuden, Raritäten-Kabinett und Schlangengrotte ihr Erscheinen zugesagt. Nachts um 11.11 Uhr stand schließlich die Demaskierung und Prämierung der schönsten und orginellsten Masken an. Ein Riesenspektakel, das die Artilleristen seinerzeit auffuhren. Mottopartys waren auch damals schon in Mode. Der Verein Frohsinn lud 1927 zu seinem traditionellen Faschingsball am Faschingssamstag ein mit der Kapelle Wohlgut, feenhafter Dekoration und orientalischer Beleuchtung. Der „Clou aller Faschingsveranstaltungen“, wie es beworben wurde, war 1928 der Fasching der Priviliegierten Feuerschützengesellschaft im Militärgasthaus. Es gab Operettengesang, die Bühne war als Märchenreich dekoriert und der König und die Königin mit Elfen sahen bekannte Märchenfiguren auf die Bühne kommen. Ein extra Beleuchter sorgte für entsprechendes Rampenlicht und die Regimentsmusik III/21 Bayreuth untermalte die Aufführung musikalisch, live versteht sich.
Natürlich feierten auch die zahlreichen Soldaten im Lager ihren eigenen Fasching. Ein Foto aus dem Offiziersklub von 1925 zeigt eine bunte Faschingsgesellschaft.


Üblich waren auch Faschingsscherze, sogar in der Zeitung. So wurde 1926 eine Jahreskonferenz der Priv. GmbH angekündigt. Auf der Tagesordnung standen der Jahresbericht (Bergpredigt und Vorlesung des Sündenregisters), Neuaufnahmen (Einstallierung und Eidesverpflichtung der Zugewanderten), Neuwahlen (eines Häuptlings und Verwaltungsrates), Wünsche und Anträge. Weiterhin wurde darauf hingewiesen, dass es Ehr- und Pflichtgefühl aller Manner und Weiber unserer Nation sei, zu Erscheinen. Für Unterbringung von Wägen und Pferden sei gesorgt, so die Zeitungsmeldung.

Großen Aufschwung erfuhr der Fasching nach dem Zweiten Weltkrieg mit der Gründung des Faschingsvereins „Rote Funken“. Für viele Jahre sollte Grafenwöhr mit Faschingszug, Prinzengarde und allerlei Faschingsspaß in der Region die Hochburg der Narren sein. Hinzu kam das rege Nachtleben, wo in jeder Kneipe Fasching gefeiert wurde und das nicht nur einmal. Die Prinzengarde jagte an jedem Abend von Auftritt zu Auftritt. Die Faschingkalender im Stadtanzeiger der 50er, 60er und 70er Jahre waren vollgefüllt mit zahlreichen Veranstaltungen, die Programme sprechen für sich. 1958 organisierte der Stadtverband einen Faschingszug mit Prinzengarde und Gruppen von Vereinen und Geschäftswelt. Der Gaudiwurm zog von der Schule über die Waldlust (Homestead) in die Neue Amberger Straße bis zum Rathaus. Dort erfolgte die Schlüsselübergabe an die Narren und schließlich ging es zurück über die Rosenhofsiedlung zur Schule.

   

Bis heute wird der Faschingsbrauch in Grafenwöhr ausgiebig gepflegt. Der TUS-Ball zunächst im Jugendheim und heute in der Stadthalle hat sich zur Legende weit über die Grenzen von Grafenwöhr gemausert, der Hüttener Faschingszug erfreut sich trotz Pausen großer Beliebtheit. Hinzu kommen Kolpingball, Kinderfasching und Vereinsveranstaltungen, so dass jeder im Fasching auf seine Kosten kommt. Na dann, Grafenwöhr helau!

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