08.02.2021

Die Kollermühle liegt an der Creußen und wurde 1577 erstmals urkundlich erwähnt. Erst ab 1946, nach Auflösung der Gemeinde Thomasreuth, gehörte die Mühle zu Grafenwöhr. Wie in alten Plänen ersichtlich ist, wurde das Wasser für den Mühlbach etwa auf Höhe von Bärnwinkel von der träge dahinfließenden Creußen abgezweigt. Die Länge des Mühlkanals betrug nahezu 500 Meter. Heute ist dieses Gewässer nur noch ein Fragment. Der Name Kollermühle weist auf die Eisenindustrie im Mittelalter hin. An der Haidenaab gab es zahlreiche Eisenverarbeitungsbetriebe, die viel Brennmaterial benötigten, um ihre Öfen zu schüren. Rund um Grafenwöhr gab es mehrere Kohlemeiler, Flur- oder Familiennamen wie Koller, Köhler oder Meiler weisen darauf hin. Auf der Kollermühle gab es keine beständige Müllersfamilie, sie hatte eine wechselvolle Geschichte. Grund hierfür war die weite Abgelegenheit der Mühle, die dem Müller nur ein karges Auskommen bot. 1723 ist ein Johann Fleischmann in einer Stadtrechnung genannt. Er wird nicht nur als Müller, sondern auch als Zimmermann bezeichnet und hatte somit ein zweites Standbein. Nach ihm gab es vier Besitzerwechsel, die sich alle nicht lange auf der Mühle halten konnten. 1789 wird das Anwesen der Mühle in einem Kaufvertrag mit 2 Mahlgängen, ein berechtigter Leinschlag samt Tagwerkerhäusl, Feld- und Wiesengründen beschrieben.

Mordtat bringt Unglück

1833 – 48 erlangte der Kollermüller Lobenhofer mit einem Kapitalverbrechen überregionale Bekanntheit. Er hatte in Amberg eine Geliebte samt Kind und wollte seine Frau aus dem Weg räumen. Mehrere Versuche scheiterten, sodass er schließlich seine Frau mit Geld nach Amberg schickte, um für ihn eine Rechnung zu bezahlen. Im heutigen Truppenübungsplatz beim Röthelweiher warteten bestellte Mörder auf die Kollermüllerin und erwürgten sie. Bis 1985 erinnerte dort ein Marterl an das Verbrechen, dessen Verursacher in Amberg dafür geköpft wurden.

In Verruf geraten

Mit dem Mord an der Müllersfrau stand die Mühle unter keinem guten Stern. Fünf Besitzerwechsel sind verzeichnet, bis eine Müllersfrau Lederer ihr Glück dort versuchte. Sie heiratete dreimal, die ersten beiden Männer verstarben und erst ihr dritter Mann, ein Speckner von der alteingesessenen Müllersfamilie auf der Schaumbachmühle schenkte ihr einen Sohn. Dieser Josef Speckner sollte der letzte Müller auf der Kollermühle sein. Er verkaufte 1919 das Anwesen mit der Begründung, dass seit dem Mord der Kollermüllerin kein Glück auf dem Haus mehr läge und kein Mann auf der Kollermühle älter als 45 würde.

Umwandlung zur Moorwirtschaft

1919 schließlich wurde das Anwesen eine staatliche Moorwirtschaft unter der Leitung des Forstamtes Pressath. 1955 kaufte die Flüchtlingsfamilie Wifling die Moorwirtschaftsdienststelle mit Wohnhaus, Gesindehaus, Ställen, Scheunen und einer Schmiede. Die alte Mühle am Mühlbach diente noch als Austragsgebäude. Heute ist kein Betrieb mehr auf der Kollermühle, das verbliebene Wohnhaus ist in Privatbesitz.

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