10.11.2020

Von 1914 bis zum Frühjahr 1915 war die Belegung des Kriegsgefangenenlagers am dichtesten. In allen drei Lagern herrschten katastrophale hygienische Zustände, die Notdurft wurde mangels Bettpfannen von Schwerverletzten ins Stroh verrichtet, Läuse verursachten Geschwüre und eitrige Wunden. Die Eiseskälte in den Baracken ließ viele erkranken, es mangelte an entsprechender Kleidung und an Nahrung. Es gab eigene französische Ärzte und Sanitäter, die entgegen der Kriegskonvention ebenfalls gefangen gehalten wurden, aber auch diese waren viel zu wenige.

So verwundert es nicht, dass zahlreiche Gefangene aufgrund der schlechten medizinischen Versorgung ihrer Kriegswunden oder wegen der unsäglichen Haftbedingungen verstarben. Insgesamt sind 755 tote Kriegsgefangene zu beklagen. Darunter 482 Franzosen, ca. 210 Russen, 51 Rumänen, 6 Engländer und 6 Italiener.  Im Amtsblatt Eschenbach wird am 2.9.1914 berichtet: Fast täglich finden Beerdigungen statt von französischen Gefangenen, die im Lazarett verstorben sind. Gefangene tragen die Bahre mit dem Toten, eskortiert von zwei bayerischen Soldaten mit aufgepflanztem Bajonett. Die Beerdigung hält der Pfarrer von Grafenwöhr. Zahlreiches Volk findet sich ein. Die Toten wurden alle im Sterberegister der Stadt Grafenwöhr erfasst.

Bereits 1914 wurde am Rande des Lagers an der Vilsecker Straße ein Gefangenenfriedhof angelegt (heute zwischen Post Office und Dining Facility). Am Friedhof sollte ein großes Denkmal aus Fichtelgebirgsgranit an die toten Kameraden erinnern. Die Gefangenen sammelten untereinander Geld. Das Amtsblatt Eschenbach berichtete im Juni 1915: „Die Franzosen haben bislang 15.800 Mark gesammelt.“  Der französische Gefangene Prof. Freddy Stoll fertigte das Monument aus einem 500 Zentner schweren Granitblock.  Es zeigte einen nackten knieenden Mann, der einen sterbenden Soldaten darstellte und trug die Inschrift „pro patria“ – für das Vaterland. Am 4.11.1916 meldet die Zeitung schließlich, dass das Franzosendenkmal enthüllt wurde. Auf zahlreichen Fotos und Postkarten ist der Soldatenfriedhof für die Nachwelt erhalten geblieben. Heute ist der Friedhof aufgelöst und nur wenige Steinkreuze deuten auf die Nutzung als Grabstätte. Es befinden sich dort noch die Gebeine der Russen und Rumänen, die Franzosen veranlassten bereits 1925 die Umbettung ihrer Soldaten und nahmen 1928 auch das große Denkmal mit nach Frankreich. Heute steht es in Sarrebourg auf einem Soldatenfriedhof.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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