03.11.2020

Ein rasantes Wachstum bescherte die Eröffnung des Truppenübungsplatzes 1910 der Stadt Grafenwöhr. Vom verschlafenen Landstädtchen mit rund 900 Einwohnern verdoppelte sich innerhalb eines Jahres die Einwohnerzahl durch die Ansiedlung von Gastronomie, Geschäften und Betrieben. Doch bereits im 1. Weltkrieg sollte diese Blütezeit für die Stadt ein Ende haben. Der Truppenübungsplatz lief unterdessen im Hochbetrieb. Hier erfolgte die Zusammenstellung und Ausbildung für den Fronteinsatz, außerdem übte die bayerische Armee weiter. Zusätzlich zum Militärbetrieb mussten Kriegsgefangene aufgenommen werden und so wuchs der Truppenübungsplatz in den ersten Wochen des Krieges rasant zum größten Kriegsgefangenenlager Bayerns heran. Schon rund vier Wochen nach Kriegsbeginn kamen im September tausende französische Gefangene, ab November schließlich auch Russen und Zivilisten, darunter Frauen und Kinder, so dass Ende 1914 insgesamt 23.314 Kriegsgefangene in die Baracken am Truppenübungsplatz gepfercht waren. Bei einer ausgelegten Kapazität von 10.500.

Getrennt nach Nationen
Dabei gab es jeweils getrennte Lager für die Nationalitäten. Die Franzosen waren im Stalllager untergebracht. Davon waren nur wenige aus Stein mit hohen dunklen Fenstern, die Mehrzahl aus Holz und ohne Boden und deshalb für die Unterbringung im Winter völlig ungeeignet. Noch dazu gab es anfangs keine Pritschen und man schlief auf dem nackten Boden auf Strohsäcken. Im Lager waren einzelne Kompanien mit 1.200 Mann durch Stacheldraht voneinander getrennt. Gemeinsam teilte man sich den Appellplatz, ein Notlazarett, die Küche war in ehemaligen Schmieden untergebracht. Es gab einen Verkaufsraum, eine Schreibstube einen Handwerkerraum und einen Haarschneideraum. Für 12.000 französische und belgische Gefangene standen 2 Waschbaracken und die Warmbadeanstalt zur Verfügung, in der man sich zweimal im Monat waschen durfte, im Sommer im Grünhundweiher. Für die Versorgung im Lager gab es weiterhin einen Gemüsegarten, einen Platz zum Wäsche aufhängen und zum Sonnen der feuchten Strohsäcke. Große Mengen hatte eine eigene Poststelle zu bewältigen, die in Spitzenzeiten 7.000 Pakete annahm und 6.000 verschickte. Das Stalllager war neben dem Stacheldraht mit Wachen und Geschützen beschützt.

Noch schlechter traf es die Russen. Sie mussten sich ihre Holzbaracken erst auf dem blanken Lehmboden zusammenzimmern und so entstand ein Hüttenlager, auf dem in feuchten Strohsäcken genächtigt wurde. In der Mitte gab es ähnlich des Stalllagers die Küche und Verkaufsstellen, eine Poststelle kam erst später hinzu. Körperliche Züchtigungen waren im „Russenlager“ auf der Tagesordnung.

Eine Besonderheit war das Zivillager mit rund 1.300 Männern, Frauen und Kindern. Es war ebenfalls von Stacheldraht umgeben, verfügte aber neben Küche und Verkaufsraum auch über eine Schule und eine Werkstatt. Das Amtsblatt Eschenbach berichtete am 26.9.1914: „Sonderbare Kriegsgefangene sind gestern dahier angekommen: alte Männer, Frauen und Kinder, zusammen ungefähr 1.000 Personen“; es sind die Personen eines französischen Dorfes, die wegen „Franktireurwesen“  (Zivilisten, die hinter der Front kämpfen) gefangen genommen worden sind.“

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