09.10.2020

Täglich sauberes Wasser aus der Leitung zu bekommen ist heute selbstverständlich. In früher Zeit wurde der Wasserbedarf Grafenwöhrs ausschließlich über städtische oder hauseigene Brunnen gedeckt. Mühsam mussten die Bewohner täglich Trink- und Nutzwasser aus den Schöpfbrunnen Eimer für Eimer heraufziehen und die schweren Behältnisse nach Hause tragen. Für rund 570 Jahre beruhte die Wasserversorgung Grafenwöhrs auf diesen Brunnen. Anfang des 19. Jahrhunderts verzeichnete die Stadt sechs öffentliche Brunnen. Während dieser Zeit wurden die alten Schöpfbrunnen durch modernere Pumpbrunnen ersetzt. Erst Anfang des 20. Jahrhunderts begann ein Umdenken für die Neuorganisation des Wasserversorgungssystems. Der erste Anstoß kam durch das Bezirksamt Eschenbach. Als 1908 der Truppenübungsplatz gebaut wurde, bekam dieser von Anfang an eine moderne Wasserversorgungsanlage. Der Wasserturm ist bis heute das Wahrzeichen der Stadt. Die Behörde veranlasste, unter Mithilfe der Garnisonsverwaltung Grafenwöhr, eine Prüfung der Wasserqualität innerhalb des „Lagers“ und in der Stadt. Die Armee mit ihrem eigenen Tiefbrunnen konnte beste Qualität vorweisen. Schlechter fiel das Ergebnis bei den Pumpbrunnen in Grafenwöhr aus. Nur einer lieferte eine brauchbare Wasserqualität, die anderen fünf wiesen erhebliche Mängel auf.

             

Auch Grafenwöhr benötigte nun einen Tiefbrunnen. 1910 wurde eine Bohrstelle im Thumbachtal einer geologischen Untersuchung unterzogen und nordöstlich von Pichlberg prüfte man drei nebeneinander liegende Quellen. Anscheinend war die Angelegenheit doch nicht so dringend, denn 1912 verlief alles im Sand und es wurde beschlossen, den Wasserleitungsbau vorerst nicht weiterzuverfolgen. Das gefiel dem Bezirksarzt ganz und gar nicht und er nahm aus sechs öffentlichen und sieben privaten Brunnen Wasserproben. Trotz des beklagenswerten Befundes wurde das Wasserleitungsprojekt schließlich wegen des Ersten Weltkriegs und der nachfolgenden Inflation hintenangestellt. Die Grafenwöhrer holten mangels anderer Quellen weiterhin ihr Wasser aus den Brunnen.

       

Der Wassernotstand bricht aus

Aufgrund mehrerer Ruhrerkrankungen in Grafenwöhr meldete sich Bezirksarzt Dr. Fuchs aus Eschenbach 1930 zu Wort und unterzog die mittlerweile acht öffentlichen Brunnen nochmals einer Untersuchung. Nachdem die staatliche Untersuchungsanstalt für Nahrung und Genussmittel Erlangen die Trinkwasserqualität in Grafenwöhr prüfte, wurde an mehreren Pumpbrunnen Tafeln mit der Aufschrift „Kein Trinkwasser“ angebracht.

 

1932 machte die Untersuchungsanstalt Erlangen Druck und gab die Prüfberichte an die Regierung der Oberpfalz weiter. Durch das Einschalten der vorgesetzten Behörden kamen schließlich Gelder und Arbeiten ins Rollen. Zudem holten sich die Stadtväter nun Rückendeckung vonseiten des Truppenübungsplatzes. General Renz setzte eine einwandfreie Wasserversorgung für Grafenwöhr voraus, da man bei der Truppenbelieferung eine saubere Verarbeitung der Lebensmittel erwartete. Die Stadt konnte so einige Zuschusstöpfe anzapfen und lud die Bevölkerung zu einer Aufklärungsversammlung ein, wobei gut die Hälfte mit den Plänen einverstanden war. Schließlich wurde 1933 die Bohrstelle am Nordrand des Thumbachtales am Fuß der Hangleite als Standort für den ersten Tiefbrunnen gewählt. Die Rohrverlegungsarbeiten für die Wasserleitungen begann noch im selben Jahr. 1934 gingen auch die Arbeiten am zugehörigen Hochbehälter „am Galgen“ voran. Im Dezember 1934 war der Wassernotstand in Grafenwöhr endgültig behoben.

Stetiges Wachstum

Durch die Erweiterung des Truppenübungsplatzes 1938/39 und die Umsiedlung der dortigen Bewohner stieg die Einwohnerzahl im Jahr 1939 von 2300 auf insgesamt 4300. Das war für die Stadt eine neue Herausforderung, auch bei der Wasserversorgung. Ein neuer Tiefbrunnen entstand bei der Thumbachleite. Die Stadt wuchs nach den Kriegsjahren rasch an und bis 1960 zählte die Stadt bereits 5.700 Einwohner. Durch diesen Anstieg war 1963 ein dritter Brunnen bei der Thumbachleite nötig. Da der Ausbau der Stadt rasant weiterging und auch die Neubaugebiete an das Wassernetz angeschlossen wurden, kam es zur Errichtung des Tiefbrunnens IV.

Die Eingemeindung von Hütten, Gmünd und die zentrale Wasserversorgung des Gemeindeteils Gößenreuth erforderte zwei weitere Tiefbrunnen V und VI im Gebiet „Kollermühle“. Mit der Inbetriebnahme einer modernen Wasserversorgungsanlage und der Gründung des Kommunalunternehmens „Stadtwerke Grafenwöhr“ zum 1. April 2000 schien die Wasserversorgung Grafenwöhrs auf lange Sicht als gesichert.

Grafenwöhr und die Weltpolitik

Die US-Armee hatte 2003 eine Überraschung für die Stadt parat. Sie planten die Verlegung einer kompletten Brigade mit rund 3.900 Soldaten nach Grafenwöhr. Nun wurde ein weiterer Trinkwasserbrunnen (VII) erforderlich. Ein besonderer Höhepunkt war der Vertragsabschluss mit der US-Armee, der den Stadtwerken einen Großauftrag zur Erschließung der neuen Kaserne (BCT-Area) rund um den Heidweiher im „Lager“ bescherte. Das Herzstück der neuen Trinkwasserversorgung liegt oberhalb des Annabergs „am Galgen“ und besteht aus einem neu errichteten Hochbehälter mit zwei Trinkwasserkammern zu je 1.000 m³ Fassungsvermögen. Mit der Ansiedlung der Soldaten vor über 110 Jahren hatte die Stadt Grafenwöhr viele unterschiedliche Aufgaben zu bewältigen. Die Wasserversorgung war nur eine davon.  Der Truppenübungsplatz hat sich in vielen Dingen letztendlich immer als Innovationsmotor für die Stadt erwiesen. Und noch eines verdankt die Stadt dem Trainingsgelände. Ihr Wahrzeichen, den Wasserturm.

Tipp: Erfahren Sie bei einer Stadtführung „Militär und internationales Flair“ mehr über die Erfolgsgeschichte „Grafenwöhr und der Truppenübungsplatz“. Die Broschüre „Stadtspaziergänge“ ist online abrufbar unter www.grafenwoehr.de/stadtfuehrungen.

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