06.10.2020

Der weiß-blaue Himmel über Grafenwöhr ist alles andere als beschaulich und ruhig. Ganz klar, denn wir leben am Rande eines Truppenübungsplatzes. Ist der rege Luftverkehr für Besucher etwas Besonderes, sind dagegen für die Bewohner Grafenwöhrs Fallschirmspringer, Hubschrauber und Flugzeuge über der Stadt nichts Ungewöhnliches. Die Fliegerei über dem „Lager“ hat eine lange Geschichte vorzuweisen. 1910 wurde der Truppenübungsplatz offiziell eröffnet und bereits von Anfang an gab es eine Luftschifferabteilung in Grafenwöhr. Diese Soldaten waren Schießbeobachter, die von ihren Fesselballons aus ihre Kameraden beim Artillerieschießen „ausspähten“. Die Luftschiffer erkannte man leicht an ihrer eigenen Kopfbedeckung, dem Tschako. Für Schlaumeier: Luftschiffer und Jäger-Einheiten trugen in der Königlich Bayerischen Armee einen Tschako (= militärische Kopfbedeckung in zylindrischer Form). Die meisten übrigen Truppenteile trugen Pickelhauben.

Tipp: Uniformen und Kopfbedeckungen aus dieser Zeit können im Museum in der Militärabteilung besichtigt werden.

 

Im Juni 1912 fand in Grafenwöhr eine große Übung mehrerer Luftschifferabteilungen statt. Es wurden das 2. Fußartillerie-Regiment, das 3. und 8. Feldartillerie-Regiment, das 14. Infanterie-Regiment und das 1. Chevauleger-Regiment aus Nürnberg zusammengezogen. Das war mit Sicherheit ein großartiges Spektakel über den Wolken Grafenwöhrs.

 

Noch in den ersten Nachkriegsjahren des 1. Weltkrieges stand ein Fesselballon fast täglich in der Luft. Er diente ebenfalls als Beobachtungsstand für die Artillerie-Schießübungen. Was damals für die Grafenwöhrer zum täglichen Bild gehörte, würde heute doch wieder faszinieren. 1926 wurde zur Artilleriebeobachtung auf dem Schwarzen Berg der Bleidorn-Turm gebaut. Heute erfolgt die Beobachtung dort von einem Stahlturm aus.

   

Schmökertipp! Viele Anekdoten und Geschichten gibt es zum Nachlesen in der Stadtchronik, die in Buchform oder als DVD im Kultur- und Militärmuseum erhältlich sind.

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