29.09.2020

Die wichtigste Straßenverbindung für Grafenwöhr in früher Zeit war die Straße von Amberg nach Kemnath. Als 1908 mit den Bauarbeiten für den Truppenübungsplatz begonnen wurde, war die alte Verbindungsstraße nach Amberg nicht mehr wie gewohnt nutzbar. Reisende mussten eine neue Wegführung über Kaltenbrunn, Hütten, Gmünd und den Geismannskeller in Kauf nehmen. Die heutige Neue Amberger Straße entstand, die gesperrte wurde zur Alten Amberger Straße. Diese war damals mäßig bebaut, erst später entwickelte sie sich zur Geschäftsmeile. Einem Streit um den Ertrag einiger Obstbäume ging eine jahrelang andauernde Auseinandersetzung um die Besitzverhältnisse der Alten Amberger Straße zwischen der Heeresverwaltung und der Stadt Grafenwöhr voraus. Mit einem Erlass vom August 1910 hatte sich das Kriegsministerium damit einverstanden erklärt, die alte Staatstraße Grafenwöhr-Tanzfleck, die sich nun im Truppenübungsplatz befand, zu übernehmen. Übrig blieb ein 123 m langes Stück in der Stadt Grafenwöhr ab Lagertor (Wache 1) bis hinunter zur Abzweigung der Vilsecker Straße (Nähe Post). Für das Straßenbauamt Amberg war klar, dass Grafenwöhr diesen Straßenabschnitt übernimmt und auch für die Instandhaltung sorgen würde. Man hatte die Rechnung aber ohne den Wirt gemacht, denn die Stadt zeigte an einer Übernahme kein Interesse. Der Bürgermeister Johann Meiler machte klar warum. Die ehemalige Staatsstraße war in einem äußerst schlechten Zustand.

Ein zäher Kampf beginnt

Ein Versuch aus der ehemaligen Staatsstraße eine Distriktstraße (heute: Kreisstraße) zu machen, lief ins Leere, da das Bezirksamt Eschenbach sich für die Straße nicht verantwortlich sah. 1913 forderte die Garnisonsverwaltung die Stadt Grafenwöhr auf, die oberen 123 m der Alten Amberger Straße zu übernehmen. Die Stadträte schwiegen sich aus und reagierten erst einmal nicht auf diese Forderung. Als sie 1914 merkten, dass ein Schweigen oder ein schlichtes „Nein“ nicht mehr half, antworteten die Verantwortlichen mit einem „Ja, aber“. Sie forderten vor Übernahme der Straße deren Instandsetzung durch die Heeresverwaltung, da dieser Abschnitt von der Armee durch Bau- und Militärfahrzeuge stark genutzt wurde. Der Streit ging nach dem 1. Weltkrieg in die Verlängerung und zog sich noch bis 1926 hin. Erst in diesem Jahr wurde die Straße von der Armee saniert und durch die Heeresverwaltung an die Stadt Grafenwöhr zum dauerhaften Unterhalt übergeben.

Was hat das nun alles mit Obst zu tun?

Im guten Glauben im Vollbesitz der gesamten Alten Amberger Straße zu sein, hatte die Stadt 1927 die an der Straße stehenden Obstbäume abgeerntet und den Ertrag dem Stadtsäckel zugeführt. Da die Stadt Grafenwöhr vergaß ihre Besitzrechte über den oberen Abschnitt der Alten Amberger Straße in das Grundbuch eintragen zu lassen, pochte die Armee auf ihr Recht und forderte den Gewinn für die Obsternte ein. Der Streit um Eigentums- und Unterhaltsrechte ging in eine neue Runde. Im Oktober 1929 reichte die Armee eine Beschwerde beim Bezirksamt in Eschenbach ein. Spätestens jetzt könnte man meinen wir befinden uns in einem Stück des „Königlich bayerischen Amtsgerichts“. Noch immer pochte die Heeresverwaltung auf alle seit 1927 anfallenden Obstbaumerträge. In den Streit wurde neben dem Bezirksamt Eschenbach auch die Regierung der Oberpfalz miteinbezogen. Schließlich durfte die Stadt die Erträge aus dem Obstverkauf behalten. Im November 1930 beantragte die Heeresverwaltung endlich die Grundstücksverbriefung und am 29. September 1931 wurde die Abtretung der Alten Amberger Straße an die Stadt Grafenwöhr beurkundet. Der Ertrag für das Obst betrug übrigens pro Jahr satte 20 Mark!

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