Der bereits verstorbene Monsignore Karl Wohlgut hinterließ seiner Heimatstadt viele Geschichten und Anekdoten. Begeistert hat ihn in seiner Kindheit besonders Lindners Rummelplatz, der an der Einmündung von der Alten Amberger Straße in die Rosenhofer Straße ganzjährig geöffnet hatte und nicht nur den Soldaten als Zeitvertreib diente. Dort herrschte immer Volksfeststimmung. Staunend stand er als Bub vor den Schießbuden und beobachtete die Soldaten, wenn sie wieder einmal eine ganze Reihe Papierblumen abräumten. Er selbst dachte nicht ans Schießen, denn er hatte viel zu viel Angst vor der Blamage und dem Gelächter der Umstehenden.

Krinoline der Familie Jean Lindner (Standort nicht bekannt). Das gleiche Modell steht heute noch auf dem Münchner Oktoberfest.

och es gab noch viele andere Attraktionen, zum Beispiel ein Kinderkarussell, für das er aber bereits zu groß war. Viel mehr hatte er Lust im Kettenkarussell über die Köpfe der Leute hinwegzufliegen. Er wollte unbedingt mitfahren, bettelte an einem Sonntag seinen Vater an und umklammerte seine Hosenbeine. Die Eltern blieben hart, eine Fahrt mit dem Kettenkarussell gab es nicht. Seine Mutter warnte ihn: „Wenn`st iatz niat glei staad bist, gibt`s gor nix! Dann host an Pfiffkas“. In der Mitte des Rummelplatzes stand das Riesenrad. In der Gondel ihm gegenüber nahm sein Vater Platz. Die Gondel schaukelte und stieg höher, tauchte wieder nach unten und begann wieder von neuem aufzusteigen. Für den Buben bewegte sich das Gerät zu langsam, denn den Vater fragte er: „Du Papa, kann der niat a bißl mehr Gas geb`n?“. Dem Vater ging es schnell genug. Enttäuscht stieg er aus und war sich sicher, dieses Vergnügen würde er sich nicht mehr antun.

Karussell der Schaustellerfamilie Müller aus Zirndorf. Tochter Emma hat Kuno Lindner aus Grafenwöhr geheiratet.

Das Kettenkarussell blieb sein geheimer Traum und er schwor sich, mit dem nächsten Zehnerl von der Oma hält ihn niemand mehr davon ab. Er kam nicht mehr dazu, denn die Not der folgenden Kriegsjahre war groß. Das Taschengeld versiegte und der Rummelplatz hatte nur noch selten geöffnet. Als dann im April 1945 auf Grafenwöhr Bomben fielen, blieb vom einstigen Kinderparadies nur noch ein Trümmerhaufen mit wirr verbogenen ausgeglühten Eisenteilen übrig. Nach dem Krieg wurden ein Karussell und eine Schießbude wieder aufgestellt und blieben noch bis in die 60iger Jahre auf diesem Platz stehen blieben.

Riesenrad um 1965 (Standort nicht bekannt)

Eure Mitarbeit ist gefragt😊 Wir suchen schon sehr lange nach Fotos von diesem Rummelplatz. Vielleicht haben eure Eltern, Großeltern oder Schwiegereltern noch historische Fotos von Grafenwöhr in ihren Fotoalben. Einfach mal durchblättern und Ausschau nach „Lindners Rummelplatz“ halten. Wir würden uns sehr darüber freuen.

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