Bei der Erweiterung des Truppenübungsplatzes 1937 mussten nicht nur kleine verstreute Weiler und Gehöfte abgesiedelt werden, im südlichen Teil bei Vilseck gingen auch einige alte Hammerschlösser verloren.  Damit verschwanden jahrhundertealte Kulturdenkmäler und Zeugen eines einst für die Region bedeutenden historischen Wirtschaftszweigs.

Einer dieser Orte ist Langenbruck, der neben Haag, Pappenberg und Hopfenohe zu den größeren Orten der abgesiedelten Gemeinden gehörte und eine eigene Gemeinde mit 11 Ortsteilen, 746 Einwohnern und mehreren Handwerksbetrieben war. Langenbruck und seine umliegenden Dörfer lagen an der alten Eisenstraße und seit jeher wurde hier Eisenerz verarbeitet. Die Ortschaft war seit dem Mittelalter Lehensgut und besaß ein altes Gut mit Hammerschloss. Die Räumung des Ortes begann 1937, die Häuser blieben aber nach dem Krieg vollständig erhalten und Langenbruck wurde wieder besiedelt. Zahlreiche Vertriebene hofften hier nach 1945 eine neue Heimat zu finden. Jedoch beanspruchten die Amerikaner das Gebiet für ihre Trainingszwecke und 1948 mussten alle Familien -440 Alteingesessene und 274 Flüchtlinge - die Häuser räumen. Die US-Army ließ diese schließlich abreißen und restlos schleifen. Erhalten sind nur noch der Altarstein der Kirche von Langenbruck sowie der Friedhof, den Nachfahren alljährlich an Allerheiligen besuchen können.

 
Langenbruck - Gut mit Froschweiher                                                   Bahnhof Langenbruck mit Bahnhofsrestauration

 

Friedhof Langenbruck

 

Eine weitere Gutsanlage mit Hammerschloss war Altenweiher, gelegen am Hammerweiher (Ursprung). Altenweiher bestand nur aus dem Schloss mit der spätgotischen Kapelle St. Johann Baptist, einem alten Wohnturm, Taglöhnerhäusern, Stallungen und Nebengebäuden und als Zugang einem großen Torbau. Nach der Absiedlung der Bevölkerung nutzte die Heeresstandortverwaltung bis Kriegsende 1945 das Anwesen. 1958 war das verlassene Schloss Schauplatz für Filmaufnahmen des Hollywood-Streifens „Zeit zu leben, Zeit zu sterben“ mit Lieselotte Pulver. Verschiedene Kriegsszenen wurden in den verlassenen Dörfern Hopfenohe, Bernreuth und eben in Altenweiher gedreht. Erst Ende der 1960er Jahre wurde das alte denkmalgeschützte Hammerschloss, das bereits in schlechtem Zustand war, von den Amerikanern restlos geschleift. Der Altar der einstigen Schlosskapelle wechselte bereits 1937 bei der Ablösung in die Kirche in Dürnast und ist bis heute dort erhalten.

     
 Altenweiher                                                                                    Altenweiher Toreinfahrt

                            
Altar Kapelle St. Baptist -heute in Dürnast    Wohnturm mit Glocke am Hüttenbach        Schloss Mitte der 1960er Jahre     

Ebenfalls am Hammerweiher lag Altneuhaus mit dem historischen Hammerwerk am Weiherdamm. Der Ort war noch bis 1951 bewohnt und die Schule in Betrieb. Das Herrenhaus wurde bis zu diesem Jahr als Militärforstamt genutzt. Doch im September 1951 verfügte die US-Army die Räumung und schleifte das Dorf. Erhalten ist nur noch die Gruft der letzten Besitzer-Familie Feustel.

  
Postkarte Rittergut Altneuhaus                                                                                        Gut Altneuhaus  

 Gedenkstein Feustel-Gruft

Weiter nördlich im Tal der Frankenohe zwischen Langenbruck und Haag lag Hellziechen. Es war ein altes Hammergut mit Hammerschloss mit Renaissanceerker, Kapelle „Unserer lieben Frau“, Hochofen, einem Brauhaus und Nebengebäuden. Bei der Ablösung 1937 waren 10 Hausnummern bekannt, darunter ein Wirtshaus. In Hellziechen wurde 1820 der spätere bayerische Handelsminister Gustav von Schlör geboren. Er schob den Bau der Eisenbahn in der Region an und verschaffte dem Hammer Hellziechen damit wieder eine kurze Blütezeit. Für die Anbindung an den Bahnanschluss ernannte die Stadt Weiden von Schlör zum Ehrenbürger und widmete ihm den Schlör-Platz mit Marmorbüste vor dem Finanzamt, den Gustav-von-Schlör-Saal in der Max-Reger-Halle sowie die FOS/BOS mit Namen Gustav-von-Schlör-Schule.

 

Nördlich von Haag lag das Gut Hammergänlas und die Hammermühle an der Reichsstraße Amberg-Bayreuth. Bereits der  Name weist auf das alte Hammerwerk hin. Hammergänlas war eine mächtige Gutsanlage mit Schloss, Schlosskapelle, Schlosspark und Schlossweiher. Des Weiteren mit  Brauerei, Kegelbahn, Wirtshaus, Forsthaus und Tennisplatz. In der Region bekannt war Hammergänlas wegen seiner Schlossbrauerei. Beide Anwesen gehörten der Familie von Grafenstein, die ursprünglich eine Bauernfamilie Graf aus Oberweißenbach war und Anfang des 18. Jahrhunderts die Hammergüter Altenweiher, Altneuhaus und Heringnohe erwarb. Mitte des 18. Jahrhunderts kam Hammergänlas hinzu und man ersuchte um Verleihung des Adelsprädikats und Führung des neuen Namens „von Grafenstein“. Zu dieser Zeit war das Familienoberhaupt auch Landrichter auf der mächtigen Burg Parkstein.  Die von Grafensteins erweiterten durch Geschäftstüchtigkeit und Heirat ihre Besitztümer immer weiter, so dass sie 1809 Eigentümer folgender Güter waren: Hammergänlas, Röthenbach, Krummennaab, Kürmreuth und Altneuhaus. Hinzu kamen Mühlen, Felder, Wiesen, Weiher, Wald, dazu 21 weitere Güter in kleineren anderen Dörfern. Bei der Ablösung des großen Guts Hammergänlas 1937 orientierte sich die Familie von Grafenstein nach Grafenwöhr und übernahm dort die Löwenbrauerei.

     
 Schloss Hammergänlas                                                                                                Schlossbrauerei Hammergänlas  Schlossschänke Hammergänlas

An der alten Reichsstraße Amberg-Bayreuth lag auch Schloßfrankenohe, benannt nach dem Fluss Frankenohe und einst ein altes Rittergut bambergischen Lehens, später eine Hofmark. 1828 kaufte ein Metzger aus Kirchenthumbach das Gut. Das gotische Schloss, ein dreistöckiger Bau,  war vor der Ablösung ein Wirtshaus, genannt „Schlosswirt“.

   Schloss Frankenohe

Südlich von Eschenbach, in Stegenthumbach, ging bei der Ablösung ebenfalls ein altes Schloss verloren. Der Ort wurde erst 1948 geräumt und war ein altes Bamberger Lehen mit einem einfachen kleinen Schloss. Es war ein zweigeschossiger Bau mit Walmdach und Turm aus dem 15. Jahrhundert.

  Schloss Stegenthumbach

Südlich von Ernstfeld bei Kirchenthumbach lag Portenreuth. Die fränkische Siedlung aus dem 8./9. Jahrhundert bestand ursprünglich aus drei Bauernhöfen. 1581 übernahm die durch Eisenverarbeitung wohlhabend gewordene Familie Kotz von Metzenhof das Dorf und machte ein Landsassengut daraus, da sie in den Adelsstand erhoben worden waren. Das Schloss, das mit der Erweiterung des Truppenübungsplatzes 1937 abgelöst wurde, stammte aus dem 18. Jahrhundert und war ein einfacher Langbau mit Walmdach, ein typisches Oberpfälzer Landschlösschen. Bis zur Ablösung wurde es als Wirtshaus genutzt und „Schlossbauern“ genannt.

 Schloss Portenreuth

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