Über den Tod spricht man nicht gerne, aber dieser muss organisiert werden und jeder Verstorbene soll nach seinem Tod an einem würdevollen Ort bis zur Beerdigung aufgebahrt werden. Zu diesem Zweck gehört zu jedem Friedhof eine Aussegnungshalle, früher im Volksmund Leichenhaus genannt.

Seit 110 Jahren werden in Grafenwöhr die Verstorbenen in der Aussegnungshalle aufgebahrt. Vorher blieben diese bis zum Begräbnis zu Hause und wurden durch einen städtischen Totengräber beerdigt. Dieser wohnte in einem Haus neben dem Friedhof. Im Jahr 1906 gab die Regierung der Oberpfalz den Anstoß, in Grafenwöhr über den Bau eines Leichenhauses nachzudenken. Anlass war die Errichtung des Truppenübungsplatzes, des Weiteren hielten die Bezirksärzte mittlerweile aus hygienischen Gründen den Bau von Leichenhäusern für unablässig. Die Grafenwöhrer beeindruckten beide Argumente wenig, sie hatten etwas dagegen, die verstorbenen Angehörigen vor der Zeit der Beerdigung aus dem Haus bringen zu lassen. Dennoch war es durch den Bevölkerungszuwachs nötig, über ein Leichenhaus nachzudenken. Im August 1908 wurde vom Bezirksbaumeister ein Plan und ein Kostenvoranschlag erbeten. Im Mai 1911 begann die Baufirma Buchfelder mit den Arbeiten und im Frühjahr 1912 wurde das erste Leichenhaus in Grafenwöhr fertiggestellt. Um sicherzustellen, ob die Toten wirklich dort aufgebahrt wurden, ließ sich das Bezirksamt von der Gendarmerie berichten. Noch viele Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg wohnte ein Heimerl im Haus nebenan und versah sein Totengräberamt. Später diente die ehemalige Wärterwohnung als Blumenladen.

1977

2007 entschied sich der Stadtrat für den Bau einer neuen Aussegnungshalle, denn das alte Leichenhaus konnte nicht mehr saniert werden. Das gesamte Raumprogramm, Konzept und Gestaltung des Neubaus, wurde von einem Architekten auf Grundlage des Vorentwurfs der Stadt Grafenwöhr und der Wünsche und Anregungen der beiden Grafenwöhrer Geistlichen, Pfarrer Bernhard Müller und Pfarrer Günter Daum, entwickelt. Das Gebäude gliedert sich in zwei Baukörper. Zum einen gibt es den sogenannten Aufbahrungsraum mit angrenzenden Nebenräumen und zum anderen die Aussegnungshalle, deren Innenmaße 10 x 6 Meter betragen und bis zu 40 Trauergäste aufnehmen kann. Darüber hinaus gehören zum Gebäude eine kleine Sakristei und ein WC. Zudem wurde eine behindertengerechte öffentliche Toilette angegliedert, die vom Friedhof aus zugänglich ist.

 

Als hintergründige Idee wurden bei der Ausführung die Themen der Anfang und das Ende allen Irdischens, sowie das dazwischen Liegende aufgegriffen. Der Eschenbacher Künstler Wolfgang Höller übernahm die Gestaltung der Kunstverglasung. Die Glasfenster symbolisieren den „Fluss des Lebens“, in den wir hineingeboren werden, den „Lebensbaum“, der unserer individuellen Lebensgestaltung entspricht und den „Kreislauf des Lebens“. Das Kreuz an der Rückseite des Gebäudes steht für das Ende des Lebens, welches als „Beistand“ zwei seitlich angeordnete senkrechte Lichtbänder erhielt. Das Kreuz im Eingangsportal wurde mit transparentem Glas ausgefüllt und symbolisiert die Wiedergeburt und den Ausblick auf das ewige Leben. Somit steht der Sarg der Verstorbenen zwischen Anfang und Ende. Der Lebensbaum über dem Eingangsbereich soll mit all seinen Verästelungen an das Wunder des Lebens erinnern.

Am 11. Oktober 2009 wurde die neue Aussegnungshalle ihrer Bestimmung übergeben. Die Baukosten beliefen sich inklusive Abbrucharbeiten und Außenanlagen auf ca. 380.000 Euro. Wer heute von der Alten Amberger Straße in die Schulstraße einfährt, blickt nach kurzem Weg direkt auf die Aussegnungshalle, die sich gut in das neugestaltete Kulturelle Zentrum einfügt.

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