Die „fünfte“ Jahreszeit wurde auch früher schon gerne gefeiert, schließlich hatte man nicht alle Tage „Narrenfreiheit“. Wie heute auch, standen Verkleiden, Essen und Vergnügen im Mittelpunkt. Die „Maschkerer“ zogen meist mit Musik und Gesang von Haus zu Haus und baten um Gaben für das Leibeswohl.

    

In einem Bericht über Gmünd von Adolf Ficker aus den 1950er Jahren erwähnt dieser zwei alte Faschingsbräuche, die sich im Dorf erhalten haben. Beim „Spießrecken“ oder „Wurstbuttern“ zogen Burschen und Mädchen, nachdem geschlachtet wurde, stark vermummt und mit einem langen Spieß und einem großen Topf zum „Wursthaus“.  Die Bäuerin hängte den oft vergnüglich tanzenden und musizierenden Jugendlichen  Würste an den Spieß und füllte Kraut und Fleisch in den Topf. Spaßeshalber steuerte der Bauer manchmal mit Sägespänen gefüllte Würste zum Spieß bei. Wenn sich die Bauersleute als geizig erwiesen hatten, haben sich die jungen Leute gerächt, indem sie sich später den fettesten Pressack oder das größte Stück Rauchfleisch aus dem Rauchfang holten.

 

Am Faschingsdienstag zog die männliche Jugend von Gmünd in Verkleidung und mit allerlei Musikinstrumenten und einem riesigen Buckelkorb von Haus zu Haus. Vor jeder Haustür wurde ein lustiger Tanz aufgeführt und auf die Gabe von Krapfen gewartet.

Von ähnlichen Bräuchen in den ehemaligen Dörfern des heutigen Truppenübungsplatzes berichtet Eckehard Griesbach in seinem Buch „Truppenübungsplatz Grafenwöhr - Geschichte einer Landschaft“. Demnach begann die närrische Zeit mit dem Flachspfeifen in der Woche vor Fasnacht. Maskierte Musikanten zogen von Hof zu Hof spielten drei Stücke, wofür sie mit einer deftigen Brotzeit belohnt wurden. Der Name Flachspfeifen kommt von einem Strang Flachs, den die Bäuerin der Gruppe beim Gehen mitgab.  

  

Kittenberg 1934

Auch in der Schule machte sich die närrische Zeit bemerkbar. Die Lehrer bekamen an Fastnacht das Auspeitsch- oder Tatzengeld in Form von Naturalien oder kleinen Geldbeträgen. Die Kinder brachten einen Holzhammer mit in die Schule und klopften damit auf die Bänke, deshalb der Name „Bamberltag“. Schließlich wurde ein Korb Brezen verteilt und der Unterricht war für diesen Tag zu Ende. Das bunte Maskentreiben mit Umzügen konnte beginnen. Am Abend wurde bei Faschingstänzen bis Schlag zwölf Uhr gefeiert. Die Stunde davor wurde nochmal für eine ausgiebige Fleisch- und Wurstbrotzeit genutzt, bevor die Fastenzeit anbrach. Nach Mitternacht verbrannte man eine närrisch herausgeputzte Strohpuppe oder begrub sie unter Heulen und Winseln und wusch den Geldbeutel im Brunnen aus. Das Geldbeutelauswaschen war auch in Grafenwöhr an den öffentlichen Brunnen der Brauch und sollte Glück bringen.

Heute, rund siebzig Jahre später, sind die alten Bräuche längst in Vergessenheit geraten und neue sind entstanden. Statt Würsten und Fleisch gibt es Krapfen, manchmal mit Senf oder Sägespänen. Doch einige feste Größen wie Umzüge oder Faschingsbälle haben überdauert und erfreuen sich nach wie vor großer Beliebtheit.

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