Grafenwöhr wurde über die Jahrhunderte immer wieder von größeren und kleineren Bränden heimgesucht, die großen Schaden anrichteten und das Stadtbild erheblich veränderten. Die erste bekannte Feuersbrunst ist auf den 10. Juli 1598 datiert. Damals soll das Feuer das „Veste Schloß“ zusammen mit 15 Häusern und 19 Stadeln zerstört haben. Das Stadtschloss befand sich vermutlich bei der heutigen Militärabteilung des Museums.

Für weitere Brandkatastrophen waren während des Dreißigjährigen Krieges durchziehende Truppen verantwortlich. Im Jahr 1622 plünderten die Mansfelder die Stadt und setzten diese in Brand, 1632 waren es schwedische Soldaten. 1641 wurde Grafenwöhr wiederum von schwedischen Kriegern belagert. Doch dank des Eingreifens von Martin Posser, der auf das Pferd des schwedischen Hauptmannes schoss, trauten sich die Soldaten nicht in die Stadt, zündeten jedoch vor dem Abziehen noch einige Städel vor der Stadtmauer an. 1708 kam es zu einem großen Feuer, dem 55 Häuser zum Opfer fielen. Danach gab es über hundert Jahre keine größeren Brände.

Altes Löschfahrzeug

1841 brannte die Vorstadt vollständig nieder. Man verbannte daraufhin die leicht brandanfälligen Scheunen aus dem Wohnbereich und baute diese außerhalb neu auf. Noch heute prägen die „Stodl“-Reihen das Stadtbild Grafenwöhrs. Beim Wiederaufbau der Wohnhäuser erhielt die Neue Amberger Straße damals seine heutige Breite.

"Stodl"-Reihe in der Schulstraße (Ecke Friedhof)

  

 Im Grabengrund

Im Jahr 1870 stand fast die gesamte östliche Altstadt in Flammen. Insgesamt wurden bei dieser verheerenden Katastrophe 46 Anwesen vernichtet. Das Feuer brach in der Nacht zum 21. Juni im Rückgebäude des Gasthofs „Zur Post“ aus und griff mit unheimlicher Schnelligkeit um sich. Beim Wiederaufbau der Häuser drehte man diese von der Giebel- zur Traufseite und zog dazwischen Brandschutzmauern hoch, denn damit sollte ein schnelles Übergreifen der Flammen von Haus zu Haus verhindert werden. Zudem mussten für die Dächer statt Holzschindeln Ziegeldächer verwendet werden. Vor dem Unglück gab es zwischen den Häusern in der Altstadt einige Feuergassen. Da sich diese als nutzlos erwiesen, wurden sie beim Neuaufbau nicht wieder hergestellt.

Merianstich von 1644 - hier stehen die Häuser noch mit der Giebelseite nach vorne gerichtet

Trotz einer neu gegründeten Feuerwehr in Grafenwöhr und umfassender Vorsorgebestimmungen des Bezirksamtes erschütterte 1880 wieder eine furchtbare Brandkatastrophe den Ort. Der gesamte westliche Teil der Altstadt, insgesamt 29 Anwesen und das Obere Stadttor, wurden zerstört. Es betraf Häuser und Nebengebäude in der Alten Pfarrgasse, der Rösslwirtsgasse, der Pflegamtsgasse, der Martin-Posser-Straße und der Oberen Torstraße. An einem Wiederaufbau des Oberen Stadttores hatte man kein Interesse, da es als Verkehrshindernis angesehen wurde. Dieser letzte große Brand dürfte Anstoß gewesen sein, neues technisch verbessertes Gerät anzuschaffen. Zur besseren Brandbekämpfung bestellte man eine neue Saug- und Druckspritze mit einer Wurfweite von bis zu dreißig Metern.

Beim Ausbruch eines Feuers waren früher alle Kräfte einer Gemeinde gefordert. War ein Brand übermächtig und es gab für die Gebäude keine Hoffnung mehr, konzentrierte man sich neben den Löscharbeiten vor allem auf die Rettung des Viehs. Aus dem Inventar der Häuser wurden zuerst die Federbetten mitgenommen. Die Abgebrannten hausten meist auf freiem Feld, in den verbliebenen Häusern oder in leerstehenden Scheunen, bis sie sich in den Kellerräumen ihrer Brandstätte eine Notunterkunft einrichten konnten. Bereits 1811 wurde in Bayern die Brandversicherungsanstalt errichtet, um den Bürgern den Wiederaufbau zu ermöglichen. Früher bedeutete ein Brand die Vernichtung der kompletten Existenz, da die Ackerbürger Wohn- und Arbeitsstätte in einem hatten.

Wie die verheerenden Brände im 19. Jahrhundert zur Gründung der hiesigen Feuerwehr führten, lesen Sie in einem weiteren Grafenwöhrer G’schichterl.

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